100 Jahre SPD-Ortsverein Nehren

Die Geschichte in 10 Dekaten

Im Jahr 2007 jährt sich die Gründung des SPD-Ortsvereins Nehren zum 100. Mal,100 Jahre, eingebettet in wechselvolle deutsche und europäische Geschichte.
Was diese Zeit charakterisiert, was die SPD im Allgemeinen und – soweit nachvollziehbar belegt - den Ortsverein Nehren im Besonderen beschäftigt hat, möchten wir in Stichworten und Schlaglichtern als wöchentliche Fortsetzungsserie in 10 Dekaden bis zu unserer Jubiläumsveranstaltung am 17.3.07 an Ihnen vorbeiziehen lassen. – 10 Dekaden, 10 Autoren(-teams), schon aus diesem Grund dürfen Sie auf abwechslungsreiche Folgen gespannt sein.

Historischer Hintergrund
In der Demokratiebewegung des Bürgertums im 18. und frühen 19. Jahrhundert standen zunächst die individuellen Freiheitsrechte der Bürger gegenüber dem monarchistischen Staat im Vordergrund. Mit zunehmender Industrialisierung wuchs die lohnabhängige und einkommensschwache Bevölkerungsschicht und es entstand „die soziale Frage“. Als Folge bildete sich die Arbeiterbewegung und eine Gruppierung „socialer Demokraten“, die sich die Verbesserung der Lebensverhältnisse der ärmeren Bevölkerungs-schichten als maßgebliches Ziel setzten. Aus diesem Umfeld entstand 1863 in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein mit Lassalle an der Spitze. Anknüpfend an die französische Revolution war „ Freiheit , Gleichheit, Brüderlichkeit“ sein Slogan. Diese sind auch heute noch die zentralen Grundwerte der SPD in der Formulierung „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“.
Stärker durch Karl Marx beeinflusst, gründeten Bebel und Wilhelm Liebknecht 1869 in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands. 1875 vereinigten sich die beiden Gruppierungen zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands.
Zwei Attentatsversuche auf den Kaiser waren Bismarck und seinen Anhängern willkommener Vorwand, 1878 die Partei, die eine wesentliche Änderung der Vermögensverhältnisse anstrebte, zu verbieten ( Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie). Verboten waren damit auch alle nahestehenden Vereine, Genossenschaften, Gewerkschaften und die Parteipresse. Lediglich Teilnahme von Einzelpersonen an Parlamentswahlen war noch möglich. Mehrfach verlängert, wurde das „Sozialistengesetz“ erst 1890 nach der Entlassung Bismarcks außer Kraft gesetzt und 1891 konstituierte sich die Partei neu als SPD= Sozialdemokratische Partei Deutschlands mit seither unverändertem Namen.

 

Die erste Dekade von 1907 bis 1916

Die Arbeiterbewegung hatte naturgemäß in den industriellen Regionen ihre Schwerpunkte, dort entstanden die ersten Ortsvereine, so in Reutlingen 1871. Nach Aufhebung des Verbots begann eine Welle von Wieder- und Neugründungen. Trotz bürgerlich-ländlicher Prägung war im Umfeld der Universität bereits 1874 in Tübingen ein Ortsverein gegründet worden, der dann ab 1893 wieder nachweisbar ist. Von dort aus wurden bereits 1894 sozialdemokratische Versammlungen in Nehren organisiert. Die früheste dörfliche Gründung in unserer Region fand 1895 in Bodelshausen durch Jakob Nill statt, bereits 1896 folgte Dußlingen.

1907 war es dann in Nehren so weit. Der Ort bekam nicht nur ein neues Schulhaus und einen neuen Bürgermeister, sondern auch einen SPD-Ortsverein. Verbürgt ist dies durch mündliche Überlieferung früher Mitglieder, die Mitte der 1980er schriftlich festgehalten wurden. Schriftliche Aufzeichnungen des Ortsvereins aus den Anfängen existieren nicht mehr, da sie 1933 ebenso wie der gesamte bis dahin entstandene Bestand beim zweiten Verbot der SPD, jetzt durch die Nazis, vernichtet wurden.
Seit 1871 nahmen im gesamten Deutschland bei Reichstagswahlen die als sozialdemokratisch zu wertenden Stimmen mit wenigen Ausnahmen von Mal zu Mal zu, auch während der Verbotszeit. Daran änderte auch die „positive Bekämpfung der Sozialdemokratie“ durch Bismarck in Form der Einführung der Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung in den 1880ern nichts. Von 3% in 1871 über 9% in 1877, 19% in 1890, 23% in 1893 und 28% in 1907 stieg die SPD bis auf 34% in 1912 und war damit stärkste Fraktion.
Bereits 1891 im Erfurter Programm zur Wiedergründung heißt es: Die SPD kämpft nicht für neue Klassenprivilegien und Vorrechte, sondern für die Abschaffung der ...Klassen selbst ...ohne Unterschied des Geschlechts und der Abstammung. ...bekämpft sie in der heutigen Gesellschaft nicht bloß die Ausbeutung und Unterdrückung der Lohnarbeiter, sondern jeder Art ..., richte sie sich gegen eine Klasse, eine Partei, ein Geschlecht oder eine Rasse. – Ziele für die sich die SPD einsetze waren unter anderem das Wahlrecht für Frauen, das allgemeine Wahlrecht in Preußen ( da dort immer noch das vermögens-abhängige Dreiklassenwahlrecht galt), die Arbeitszeitverkürzung auf 8 Stunden pro Tag, Arbeitsschutz, Recht auf Tarifverträge und natürlich die Verbesserung der Lebensverhältnisse der wenig vermögenden Schichten. Dabei gab es von Anfang an zwei Strömungen in der Partei: die marxistische, die auf die revolutionäre Überwindung des Kapitalismus setzende, und die pragmatisch-lassalle'sche, später revisionistisch genannte, die auch im Kapitalismus wesentliche Verbesserungen für möglich hielt. – Ein zweites Spannungsfeld für die Partei ergab sich aus dem völkerübergreifenden Internationalismus der Arbeiterbewegung, zu dem die SPD sich bekannte einerseits, und dem unter Wilhelm II. seit 1888 zunehmenden imperialistischen Nationalismus andererseits. Dieser führte im Zusammenspiel mit den entsprechenden Kräften in den anderen Nationen 1914 zum ersten Weltkrieg.
Die Frage der Geldbewilligung für den Krieg (Kriegskredite) durch den Reichstag ab August 1914 entzweite die SPD von Mal zu Mal mehr und führte Ende der hier geschilderten Dekade zur Spaltung der Partei. Es entstand die USPD, aus der sich über den Spartakusbund 1918 dann 1919 die KPD (Kommunistische Partei) entwickelte, letztendlich eine tragische Schwächung der Linken. - Dass diese Vorgänge auch lokale Bedeutung für Nehren hatten, wird aus dem Bericht über die nächste Dekade hervorgehen.
Hans Rebmann

Die zweite Dekade von 1917 bis 1927

Durch den schon lange andauernden Krieg verschlechterte sich zusehends die Ernährungslage in der Gemeinde. Sogar das Holzsammeln im Wald wurde durch das Oberamt Tübingen eingeschränkt. Auch die Kriegslage entwickelte sich nach dem Kriegseintritt der USA, auf der Seite der Entente im April 1917, zu Ungunsten des Deutschen Reiches.
Einen Hoffnungsschimmer für die Reichsregierung gab es aber noch in diesem Jahr durch die russischen Revolutionen. Vor allem die „Oktoberrevolution“ schürte die Erwartungen auf einen „Siegfrieden“ an der Ostfront. Dieser Frieden kam zwar im März 1918 zustande, aber im Westen wurde das deutsche Heer von den zahlenmäßig überlegenen Armeen der Entente zurückgedrängt und musste am 11.11.1918 einen für das Deutsche Reich ungünstigen Waffenstillstand schließen. Ein 18-jähriger Nehrener konnte sich nur unter Mühen in Richtung Heimat durchschlagen, da er beim überstürzten Abmarsch seiner Einheit auf Wache vergessen wurde.
In der Heimat hatte sich inzwischen durch die „Novemberrevolution“ vieles verändert. Durch den SPD-Politiker Philipp Scheidemann wurde am 9.11.1918 in Berlin die Republik ausgerufen. Der Kaiser war im Exil in den Niederlanden und auch der württembergische König hatte abgedankt. Das Amt des Reichskanzlers übernahm Friedrich Ebert, der schon 3 Monate später zum Reichspräsidenten gewählt wurde, und auch in Württemberg gab es mit Wilhelm Blos einen sozialdemokratischen Regierungschef.
Im Januar 1919 fanden Wahlen zur württembergischen Landesversammlung und zur verfassungsgebenden Nationalversammlung statt. Bei beiden Wahlen konnte die SPD in Nehren eine absolute Mehrheit erringen. Die bürgerlichen Parteien kamen zusammen auf etwa 40%. Davon profitierte vor allem die DDP (34%). Die zweite Partei auf der linken Seite, die USPD, war mit nur 4 Stimmen in Nehren noch ohne Bedeutung. In der Nationalversammlung wurde die SPD mit 39% der Stimmen stärkste Fraktion. Die USPD erhielt 7%. Die DDP konnte reichsweit 18% für sich verbuchen.
In dieser Zeit kam es in Nehren durch zurückkehrende Kriegsteilnehmer zur Wiedergründung des SPD-Ortsvereins, da im Krieg die SPD in Nehren nicht aktiv gewesen war, und auch den Arbeiterturnverein gab es jetzt wieder. Die Wiedereingliederung der Heimkehrer in das Arbeitsleben war jedoch mit Schwierigkeiten verbunden. Kurzfristige Arbeitsbeschaffungsprogramme, z, B. Konstruktionsarbeiten an der Steinlach, sollten den Übergang erleichtern.
Erschwert wurde die wirtschaftliche Lage des Deutsches Reiches im Sommer 1919 noch durch den „Versailler Vertrag“ und die damit verbundenen Reparationszahlungen an die Siegermächte. Dies beeinflusste auch die Reichstagswahlen von 1920. Die SPD kam nur noch auf 22%, war damit aber wieder stärkste Fraktion vor der USPD mit jetzt 18%. Die DDP kam auf 8% und die noch junge KPD erhielt 2% der Stimmen. In Nehren konnte die DDP mehr als 20% für sich verbuchen und die 3 linken Parteien teilten knapp 60% der Stimmen fast gleichmäßig unter sich auf.
Abseits der großen Politik war die Anlage eines Sportplatzes an der Steinlach durch den Arbeiterturnverein sicherlich einer der Höhepunkte dieser Zeit. Zur Einweihung des Sportplatzes kamen 1921 etwa 1000 Besucher aus dem Steinlachtal und aus Tübingen. Auch kulturell war der Arbeiterturnverein mit ein bis zwei Theateraufführungen im Jahr eine Bereicherung für den Ort.
Große Sorgen bereitete der Bevölkerung aber die Inflation, die sich im Jahre 1923 durch die französische Ruhrgebietsbesetzung noch beschleunigte. Etwa 30 junge Nehrener wanderten wegen der wirtschaftlichen Notlage in die USA aus, während die extremen Parteien im Reich diese Krise für sich ausnutzten. Volksfrontregierungen in Sachsen und Thüringen und der Putschversuch Hitlers im November 1923 in München gefährdeten das Deutsche Reich. Die Folgen waren bei den Reichstagswahlen im Mai 1924 sichtbar. Die KPD kam auf 14% und sogar die NSDAP konnte auf der Liste „Völkischer Block“ mit 7% in den Reichstag einziehen. In Nehren hatte die SPD hohe Stimmenverluste und die KPD wurde stärkste Partei im Ort. Die Einführung der Rentenmark (November 1923) und der Dawes-Plan (1924), der eine Verringerung der Reparationszahlungen brachte, verbesserten aber allmählich die wirtschaftliche Lage. Durch Industrieansiedlungen vor Ort (z.B. ein Zweigwerk der Textilfirma Conzelmann) wurden Arbeitsplätze geschaffen und auch aus der großen Politik gab es positive Signale. Die extremen Parteien verloren bei der Reichstagswahl im Dezember 1924 deutlich an Stimmen und die SPD erzielte mit 26% wieder ein gutes Ergebnis. In Locarno wurde im Oktober 1925 ein Grenzvertrag mit Frankreich und Belgien abgeschlossen (die darin festgesetzte Grenze ist auch heute noch die westliche Grenze Deutschlands) und im Jahr 1926 wurde das Deutsche Reich Mitglied im Völkerbund.
Uwe Jabs

Die dritte Dekade von 1927 bis 1936

Diese 10 Jahre SPD-Geschichte sind vor allem von drei düsteren Ereignissen geprägt: der Weltwirtschaftskrise (1929), der Machtergreifung Hitlers (1933) und dem Verbot der SPD (1933).
In Nehren waren damals die Oberlehrer Dalaker (1927 – 1932) und Rein (1932 -1938) Schulvorstand, Paul Heyd Bürgermeister und der Hauptlehrer Stalder Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Nehren.
1928 übernimmt die SPD auf höchster Ebene in Berlin die Regierungsverantwortung; unter Führung der SPD entsteht ein Kabinett der „Großen Koalition“. Noch kann man von den „Goldenen Zwanzigerjahren“ sprechen. Auch in Nehren ist die Welt noch in Ordnung: Es gibt ausreichend Arbeit; die Firma Conzelmann, die Holzwarenfabrik Hetzer u. a. haben sich angesiedelt. Nehren galt als Arbeiterwohnort. Entsprechend hoch lagen – parteipolitisch gesehen - bei den Reichstagswahlen die Stimmenanteile der SPD, zusammen mit der KPD 1928 bei 58%, 1930 bei 67%.
Aber schlagartig ändert sich mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise (1929) die Situation. Bis in die kleinsten Dörfer hinein, auch in Nehren, führt dieser weltweite Zusammenbruch zu sehr hoher Arbeitslosigkeit und bitterer Armut. Ein altes Nehrener SPD-Mitglied teilte mir bei einem früheren Interview folgendes mit: „Im Sportverein, da waren eigentlich vorwiegend SPDler. Wir waren da nicht nur zum Kicken, politische Diskussionen waren auch angesagt, es ging aufwärts mit dem Leben und auch mit dem Verein. Völlig überraschend stürzten 1929 dann viele ins Bodenlose. Auch ich musste 4 Jahre lang ohne geregeltes Einkommen leben, es waren sehr harte Jahre; im schönsten Alter musste ich mich mit dem Herstellen von Gerätschaften über Wasser halten. Da war mir der Sportverein viel Wert. Geholfen hat mir damals auch der Zusammenhalt in der SPD. Im Schwanen-Nebenzimmer haben wir uns regelmäßig zum Singen getroffen.“ Unter Anregung von Lehrer Georg Stalder, der damals auch SPD-Ortsvereinsvorsitzender und SPD-Gemeinderat war, sei dort vor allem soziales Liedgut gepflegt worden.
Der wirtschaftliche Zusammenbruch hatte schwerwiegende politische Folgen für das gesamte Deutsche Reich und damit auch für Nehren. Die SPD-geführte Koalition in Berlin zerbricht; die extremen politischen Richtungen am linken und rechten Rand profitieren. Es kommt zu öffentlichen Handgreiflichkeiten und Straßenschlachten. In Nehren hatte aus dem Hintergrund der Notsituation heraus zunächst die extreme Linke (KPD) großen Zulauf. Die Sympathie für die NSDAP im Dorf hielt sich in Grenzen. Somit konnten sich die Sozialdemokraten in ihren politischen Aktionen zu-nächst mit dem kommunistischen Gegner (KPD) auseinandersetzen. Trotz sehr harter Gefechte im Dorf erreichte die SPD bei den Reichstagswahlen (1932) nur noch 24 % gegenüber 40% KPD und 25% NSDAP.
Ein halbes Jahr später droht ein weiterer verhängnisvoller Szenenwechsel: Hitler wird 1933 in Berlin zum Reichskanzler ernannt Niemand in ganz Deutschland wagt Widerspruch. Nur in Mössingen organisiert die KPD einen Generalstreik, an dem ungefähr 200 Menschen, darunter zahlreiche Arbeiter und Arbeitslose sowie auch SPDler aus Nehren teilgenommen haben. Viele Demonstranten wurden vor Gericht gestellt, darunter auch acht Nehrener.
Im März 1933 hatten die Nazis die Reichstagswahlen gewonnen – in Nehren konnte die SPD dennoch leicht zulegen, die NSDAP aber ihr Ergebnis verdoppeln.
Schon wenige Tage nach diesem für die Geschichte Deutschlands schwerwiegenden Wahlsieg der NSDAP setzte diese in Berlin das Ermächtigungsgesetz (Zerschlagung demokratischer Organe) durch. Nur eine Partei hat dagegen gestimmt, die SPD.

Unmittelbar danach erfolgte die erste große Verhaftungswelle, auch in Nehren. Der SPDler Eugen Eißler berichtete mir: „Einige Nehrener wurden von SA-Leuten verhaftet und auf den Lastwagen mitgenommen. Der von uns Jüngeren so geschätzte damalige SPD-Vorsitzende und Lehrer Stalder wurde nach mehreren Verwarnungen von den Nazis ebenfalls verhaftet, als unverbesserlicher SPD-Mann in die Lager auf dem Heuberg verschleppt und ist dann gestorben, vielleicht auch dort umgebracht worden.“

Im April wurde der gewählte Gemeinderat, dem einige Leute aus der SPD und deren Umfeld angehörten, aufgelöst und dann den Nazis genehme Leute vorgeschlagen.
Zur gleichen Zeit wurde der Arbeiter-Turn- und Sportverein zerschlagen und in einer Nacht- und Nebelaktion dessen Vermögen eingezogen und die Unterlagen sofort im Haus verbrannt. Ein Nachkomme des damaligen Vorsitzenden und SPD-Mitglieds Jakob Fauser hat den Überfall selbst miterlebt und berichtete, wie sie als Kinder aus den Betten geholt worden sind, die dann durchwühlt wurden, und wie draußen in der Küche Unterlagen und Gegenstände verbrannt worden seien.
Im Juni 1933 wird die SPD verboten; die SPD-Gemeinderatsfraktion habe sich nach Meinung eines braunen Staatskommisars ja schon „freiwillig“ aufgelöst. Die SPD-Gemeinderäte werden gezwungen, endgültig auf ihr Mandat zu verzichten.
Die SPD und deren Gedankengut existiert jetzt nur noch in den Köpfen der ehemals sozialdemokratisch Gesinnten. Die Diktatur nimmt ihren verheerenden Lauf.
Jegliche öffentliche Stellungnahme oder Versammlung im Sinne der SPD war 12 Jahre lang verboten. Nur noch in privaten Gesprächen – und dort mit äußerster Vorsicht – war ein Austausch demokratischer Ideen möglich. In Nehren soll davon reichlich Gebrauch gemacht worden sein.
Hans Schell

Die vierte Dekade von 1937 bis 1946

1937 begann der Krieg zwischen China und Japan. Italien hat unter Mussolini Abessinien erobert, und Hitler lieferte an Italien Kriegsmaterial, Hitler und Mussolini näherten sich einander an. Spanien befand sich im Bürgerkrieg, aus dem 1939 General Franko als Sieger hervorging.

1937 präzisiert Hitler seine politischen Ziele: „Gewaltsame Erweiterung des Lebensraumes für 85 Millionen Deutsche in Europa“. Den ersten Schritt auf diesem Weg tat Hitler im März 1938 durch den Einmarsch deutscher Truppen in Österreich. Österreich wurde mit dem deutschen Reich vereinigt. Im September 1938 wurde nach dem Münchner Abkommen das Sudetenland dem deutschen Reich einverleibt.
1939 marschierten deutsche Truppen in Polen ein und besiegten es in einem „Blitzkrieg“! Polen wurde zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt! In der Folge besetzte Deutschland, Dänemark und Norwegen und besiegte im Westfeldzug Belgien, die Niederlande und Frankreich.
1941 Deutscher Angriff auf die Sowjetunion und Kriegserklärung an die USA. 1943 verkündete Goebbels den „totalen Krieg“.
Nach der Niederlage bei Stalingrad und dem Sieg der Alliierten im Atlantik und dem Verlust der Luftüberlegenheit kämpfte Deutschland bis zur gänzlichen Niederlage weiter. Erst nach dem Selbstmord Hitlers am 30. April 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht und am 9. Mai 1945 wurde die bedingungslose Gesamtkapitulation unterzeichnet.

Seit 1933 war die SPD als letzte der demokratischen Parteien verboten, und seit 1935 gab es eine „neue deutsche Gemeindeordnung“, das bedeutete in Nehren gab es nur noch 6 statt bislang 8 Gemeinderäte!
Die Auswirkungen der „Nürnberger Gesetze“ von 1935 waren auch in Nehren zu spüren. Mitbürger, die in jüdischen Geschäften einkauften, wurden von „Volksgenossen“ denunziert. Doch galt Nehren bei der NS-Kreisleitung als „schlechteste Gemeinde“, weil es kaum Mitglieder gab.
Aus Gemeinderatsprotokollen geht hervor, dass – vor allem als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme – 1936 die Luppach- und Bahnhofstraße „geteert und bewalzt“ wurden. 1937 wurde die Kappelstraße verdohlt und die Verwirklichung eines Wohnbau- und Siedlungsprogramms beschlossen. Das Baugelände erwarb die Gemeinde für 1,20 RM pro qm! 1938 wurde die Steinstraße ausgebaut, und im April 1939 wurde ein Siedlungsvorhaben zwischen Stein- und Kirschenfeldstraße beschlossen. Bei einer Volkszählung im Mai 1939 hatte Nehren 1379 Einwohner!
Die Kriegsvorbereitungen Hitlers hinterließen auch in Nehren Spuren! Einige Nehrener Betriebe hatten zwischen 1935 und 1939 Hochkonjunktur, weil sie für die Rüstung arbeiteten. Conzelmann z.Bsp. stellte „fast Tag und Nacht“ Militärhemden und Militärwäsche her.

Als Hitler am 1.9.1939 den Krieg gegen Polen vom Zaun brach, waren seine SA-Männer frühmorgens in Nehren zur Mobilmachung unterwegs. Etwa 100 Mitbürger wurden zu diesem Zeitpunkt zur Wehrmacht und zum Reichsarbeitsdienst einberufen.
Die Gemeinde hatte eine monatliche Kriegsumlage von 879,66 RM zu zahlen.
Eine Mutter mit 3 Kindern, deren Mann im Krieg war, erhielt monatlich 150 RM als Unterstützung! Den Krieg erlebten die Nehrener dadurch, dass ihre Männer, Väter und Söhne an der Front waren, viele am „Westwall“, einige – wie Eugen Eißler – jedoch auch in Russland.
1943 wurden sogenannte „Behelfsheime“ für Luftkriegsbetroffene, d.h. „ausgebombte Familien“ erstellt. In einigen Straßen wurden Kanalbauarbeiten durchgeführt, und polnische und russische Kriegsgefangene, die normalerweise im neu eingerichteten Ölschieferwerk auf dem Höhnisch eingesetzt waren, mussten die Gräben ausheben! Nehrener Bürger steckten den Ausgehungerten unter Gefahr für ihre eigene Sicherheit gelegentlich Brot, Obst oder ein paar Kartoffeln zu.
Erst 1944 wirkte sich das Kriegsgeschehen direkt auf Nehren aus. In der Nacht vom 15. auf den 16. 3. 1944 kam es über Nehren zu einem Luftgefecht zwischen einem alliierten Bomber und einem deutschen Jäger, bei dem sich beide Flugzeuge abschossen. Die Besatzung des nachfolgenden, dem Luftgefecht ausgesetzten Bombers musste mit ihren Fallschirmen notlanden. Die 4 jungen Soldaten wurden gefangen genommen und in den „Grünen Baum“ gebracht. Dort wurden sie von einer aufgebrachten Menge bedroht und von einigen Leuten auch geschlagen. Die Beteiligten wurden nach dem Umsturz zu kürzeren Freiheitsstrafen verurteilt.

Am 20. und 21.4.1945 rückten die französischen Truppen vom Rammert, von Tübingen und von Gomaringen gegen Nehren vor. Volkssturmführer D. hatte den Volkssturm am Vorabend des Franzoseneinmarsches offiziell aufgelöst. Dennoch rückte der Volkssturm zur Verteidigung in den Haldenrain aus, beim Eintreffen der Besetzer – am 22. April 1945 - wurde Nehren jedoch kampflos übergeben. Wenige Stunden nach der Besetzung führte Frau Hanne Jaggy, der nach dem Tod von Bürgermeister Heyd die Führung der Verwaltungsarbeit auf dem Rathaus übertragen worden war, stellvertretend für die Bevölkerung Nehrens die ersten Verhandlungen mit dem französischen Offizier der Kampfeinheit. Wie überall hatte die Bevölkerung auf Befehl Wohnungen und Häuser zu räumen und für die Verpflegung der Soldaten aufzukommen. Es kam zu Plünderungen und Vergewaltigungen.
Am 8. Mai 1945 endete der zweite Weltkrieg. Unzählige Ortschaften, Hunderte von Städten und ganze Landstriche waren verwüstet. Nehren hatte 115 Gefallene und Vermisste zu beklagen!

Von Mai bis Juli und von September bis Dezember 1945 war Nehren von den Franzosen besetzt. Bürgermeister Wilhelm Keller und die Gemeinderäte wurden kommissarisch eingesetzt .
Der Prozess der Demokratisierung ging voran! Die Militärregierungen ließen Anfang September 1945 die Bildung von Gewerkschaften zu. Bis Ende 1945 erfolgte in den drei Ländern Baden, Württemberg-Hohenzollern und Württemberg die Zulassung demokratischer Parteien und einiger Organisationen und Vereine. In Nehren war die SPD die erste demokratische Partei, die sich vor den Gemeinderatswahlen 1946 wieder konstituierte.
Das öffentliche und zivile Leben unter demokratischen Voraussetzungen begann.
Antje Warth
Quellen: Nehren 1086 – 1986, darin: Dietrich Scheerer, Nehren in der Zeit der Weltkriege (1914 – 1945 )

Die fünfte Dekade von 1947 bis 1956

Diese 10 Jahre sind prall gefüllt mit Ereignissen der Weltgeschichte, der Geschichte Deutschlands und Nehrens, so dass ich nur über wenig berichten kann.
Nur 15 Monate nach Kriegsende im Herbst 1946 umfasst die SPD in den drei Westzonen 633.244 Mitglieder, die in 8000 Ortsvereinen organisiert sind. 1947 Trennung Deutschlands in zwei Verwaltungszonen.
Ab 1947 wieder Internationaler Frauentag, 1948 unter Leitung von Herta Gotthelf, Führerin der Sozialdemokratischen Frauen, unter der Parole „Durch Sozialismus zum Frieden“, erstmals seit Kriegsende mit offiziellen Gästen aus westeuropäischen Ländern.
Durch die Währungsreform 1948 wurde die deutsche Teilung vollzogen. Die Russen sperrten die Landverbindung nach Berlin. Beginn der Luftbrücke durch die Westalliierten (bis 1949). Von Juni 1947 - Dezember 1948 war Luise Schröder Oberbürgermeisterin von Berlin, nach der Blockade wurde Ernst Reuter Regierender Bürgermeister. Der Parlamentarische Rat tagte erstmals, unter Vorsitz Konrad Adenauers.
1949 Vorstandssitzung der SPD in Hannover, Schumacher beeinflusst mit einem Nein zu den Forderungen der Alliierten die Struktur des Grundgesetzes. Am Deutschen Grundgesetz haben Sozialdemokraten mitgewirkt, allen voran Carlo Schmid. Erster SPD-Vorsitzender nach dem Krieg war Kurt Schumacher, nach seinem Tod 1952 wurde Erich Ollenhauer sein Nachfolger. 1949 Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Richtungsweisend für die SPD wurde die Prinzipienerklärung der Sozialistischen Internationale, die im Juli 1951 auf ihrem Kongress in Frankfurt am Main verabschiedet wurde.
Gründung des Europarates sowie Gründung der NATO. Bonn wird vorläufige Hauptstadt, Karlsruhe Sitz des Bundesverfassungsgerichts. Im Mai beschloss der Parlamentarische Rat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Im August fanden die ersten Wahlen nach dem Krieg statt. Heuss wird im zweiten Wahlgang gegen Schumacher zum Bundespräsidenten gewählt, Adenauer wird Bundeskanzler. 1950 Einführung der sozialen Marktwirtschaft. Die Rationierung (außer Zucker) wird aufgehoben.
1951 Unterzeichung des Montanunion-Vertrages. Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer in der Montanindustrie. Gründung des Bundesgrenzschutzes. Die Bundesrepublik Deutschland tritt dem Europarat bei. Das Bundesverfassungsgericht konstituierte sich. Der Jugendschutz tritt in Kraft. 1952 Besatzungsstatut wird durch Deutschlandvertrag abgelöst.
Im September 1952 gab sich die SPD auf dem Parteitag ein Aktionsprogramm. 1953 Bundesparteitag der SPD. Streik in der DDR, der sich zum Aufstand ausweitet und durch russische Panzer beendet wird. Der 17. Juni wird zum Nationalfreiertag als „Tag der Deutschen Einheit“ in der Bundesrepublik. Ins Wahlrecht wird die 5 %-Klausel eingeführt. 1954 lädt die Konferenz der NATO-Staaten die Bundesrepublik zur Mitgliedschaft ein. Einführung der Wehrpflicht durch Grundgesetzänderung.
Die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 gab der Bundesrepublik durch den Sieg ein neues Selbstbewusstsein. 1955 werden BRD und DDR souveräne Staaten. Bundestagsmehrheit für NATO-Beitritt, die SPD sorgt dafür, dass die neue Bundeswehr den Erfordernissen der Demokratie entspricht. 1956 Verbot der KPD in der Bundesrepublik.
Bei der Volksabstimmung am 9. Dezember 1951 in den drei Ländern Baden, Württemberg und Württemberg-Hohenzollern stimmten 69 % für den „Südweststaat“. 1952 wurde das neue Bundesland Baden-Württemberg gebildet.
Auch in Nehren hat sich viel ereignet. 1948 transportierten nach der Währungsreform zwei Angestellte der Gemeinde Nehren 70.000,-- DM von Tübingen nach Nehren, um das Kopfgeld von 40,-- DM auszuzahlen. Wilhelm Keller war kommissarischer Bürgermeister. Die Gemeindeverwaltung bildete eine Wohnungskommission aus Mitgliedern des Gemeinderates, die den freien Wohnraum innerhalb der Gemeinde feststellte, um Heimatvertriebene Flüchtlinge und Ausgebombte unter-zubringen.
Neugründung der Parteien. 1948 wird Jakob Fauser Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Der Musikverein lud 1947 die Gemeinde zur ersten Weihnachtsfeier nach dem Krieg in den „Grünen Baum“ ein. Am Landesbußtag veranstalteten etwa 100 Bläser der Posaunenchöre von Nehren und den umliegenden Gemeinden eine Feierstunde in der Kirche. 1949 wurde Franz Fecht zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt. 1951/52 Bau eines Umspannwerks durch die EVS, Nehren wurde Energieverteilungszentrum für das Kreisgebiet. 1952/53 große Innenrenovierung der Kirche unter Pfarrer Tolk und Bau einer neuen Orgel durch Orgelbaumeister Renkewitz. 1955 Kindergartenvergößerung in der Auchtertstraße. 1954 Eröffnung der ersten Zahnarztpraxis sowie einer Arztpraxis 1955.
Ursula Tausch

Die sechste Dekade von 1957 bis 1966

Diese Jahre waren von einer florierenden Wirtschaft, dem damit verbundenen steigenden Wohl-stand und der Einbindung der Bundesrepublik in die westliche Staatengemeinschaft, aber auch von der größer werdenden Kluft zwischen den Westmächten und der UDSSR geprägt. Der so genannte Kalte Krieg, in dem sich die Supermächte im Kampf von Demokratie gegen Diktatur und Marktwirtschaft gegen Planwirtschaft ein beispielloses Wettrüsten vor allem auf dem Gebiet der Atomwaffen lieferten, führte 1962 zur Kuba-Krise, während der eine mit Atomwaffen geführte Auseinandersetzung nur knapp verhindert werden konnte. Der Konflikt schwelte aber weiter und wurde in Stellvertreterkriegen wie Vietnam, Kambodscha, Afghanistan und vielen weiteren fortgeführt. Augenscheinlichstes Merkmal der Kluft zwischen Ost und West und der Spaltung Europas war der Bau der Berliner Mauer 1961.

Vor diesem Hintergrund wurde 1957 das Saarland 10. Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge wurde der Grundstein zur Schaffung der EWG gelegt. Die CDU/CSU errang bei der Wahl zum 3. Bundestag die absolute Mehrheit und Konrad Adenauer wurde erneut Bundeskanzler. Wäre es nach den Nehrener Wählern gegangen, hätte die SPD mit 56,6 % die absolute Mehrheit erreicht. Willy Brandt wurde Regierender Bürgermeister von Berlin. Das erste deutsche Kernkraftwerk ging in Garching in Betrieb. 1958 traten die Römischen Verträge in Kraft und das Europäische Parlament trat zur konstituierenden Sitzung in Straßburg zusammen. Die ersten Massenkundgebungen gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen fanden statt. Die SPD verkündete einen Deutschlandplan, der einen Vorschlag zur Schaffung einer Atomwaffen-freien entmilitarisierten Zone in Mitteleuropa vorsah. Mit dem Godesberger Programm vollzog die SPD den programmatischen Wandel zur Volkspartei mit der Abkehr von der Lehre Marx’ und dem Bekenntnis zur Landesverteidigung und zur sozialen Marktwirtschaft. 1960 grenzte sich der SPD-Vorstand um Erich Ollenhauer in einem Grundsatzprogramm eindeutig vom Kommunismus ab. Herbert Wehner gab in einer Grundsatzrede vor dem Bundestag die neuen Ziele der SPD bekannt, wonach sie sich zur europäischen Integrations- und Bündnispolitik bekannte. Willy Brandt wurde zum Kanzlerkandidaten nominiert.
In Nehren wurde in diesem Jahr die Flurbereinigung abgeschlossen und Paul Laur übernahm von Jakob Fauser den Vorsitz in der Nehrener SPD. Bei den Landtagswahlen erreichte die SPD in Nehren 62,8 % der Stimmen.
1961 war Juri Gagarin der erste Mensch im Weltall. In zahlreichen Städten fanden Ostermärsche gegen Aufrüstung statt und die ersten Zivildienstleistenden nahmen ihren Dienst auf. Herbert Wehner gab die Koalitionsbereitschaft der SPD mit der CDU bekannt, worauf Adenauer eine Zusammenarbeit mit der SPD ablehnte. Die CDU verlor bei den Wahlen zum 4. Deutschen Bundestag die absolute Mehrheit, blieb aber führende politische Kraft vor der SPD. Bei den Wählern in Nehren hatte die SPD mit 53,6 % wieder ein Spitzenergebnis eingefahren.
Nach den gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit der SPD wurde 1962 vor dem Hintergrund der Kuba-Krise aus einer Koalition der CDU/CSU und der FDP die 5. Regierung Konrad Adenauers gebildet.
1963 kam es zu weiteren Annäherungen der Bundesrepublik und Frankreichs während die Ostermärsche gegen die militärische Nutzung der Atomenergie fortgesetzt wurden. Egon Bahr formulierte eine neue Konzeption der deutschen Ostpolitik unter der Devise Wandel durch Annäherung. Nach Adenauers Rücktritt wurde Ludwig Erhard Bundeskanzler.
Der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer starb am 14. Dezember in Bonn und Willy Brandt wurde 1964 Vorsitzender und Kanzlerkandidat der SPD. Die Landtagswahlen brachten der SPD in Nehren 62,0 % der Stimmen. Der starke Anstieg der Schülerzahlen verursachte in Nehren Ende der 1950iger, ähnlich wie heute, Raumnot in der Schule. Dem wurde zunächst dadurch begegnet, dass ein weiterer Schulraum in der frei gewordenen Dachgeschosswohnung des Schulhauses eingerichtet wurde, bis dann 1965 der Neubau der Schulerweiterung und die neue Turn- und Festhalle mit Lehrschwimmbecken eingeweiht werden konnten.
Im Jahr 1965 wurde im Vietnam-Krieg von den USA erstmals Napalm eingesetzt. EGKS, EURATOM und EWG verschmolzen zur EG. Die CDU/CSU geht aus den Wahlen zum 5. Bundestag mit 47,6 % der Stimmen als stärkste Partei vor der SPD (39,3%) hervor. Ludwig Erhard wird erneut zum Bundeskanzler gewählt. In Hessen zog mit der NPD (7,9%) erstmals eine rechtsextreme Partei in ein Parlament ein.
Im Jahr 1966 wurde zwischen der SED und der SPD ein Redneraustausch vereinbart, der aber von der SED abgesagt wurde. Die Koalition mit der FDP scheiterte und Ludwig Erhard trat als Bundeskanzler zurück, nachdem sich die Unionsparteien mit der SPD geeinigt hatten. Die SPD übernahm 1966 erstmals Regierungsverantwortung und stellte mit Willy Brandt den Außenminister und Vizekanzler.
Karl-Bernd Stocker

Die siebte Dekade von 1967 bis 1976

Auf Bundesebene war diese Zeit geprägt von den Studentenprotesten und dem Aufkommen des Terrorismus in Deutschland. Als 1967 auf einer Demonstration gegen den Besuch des Schah in Deutschland der Student Benno Ohnesorg von Polizisten erschossen wird, radikalisieren sich die Studentenproteste und einige sehen im Terror die einzige Möglichkeit gegen staatliche Missstände vorzugehen. Als Folge der Unruhen verabschiedet die große Koalition unter Kanzler Kiesinger (CDU) 1968 die Notstandsverfassung, die das zeitweilige Aufheben einiger Artikel des Grundgesetzes ermöglicht.
Nach den Bundestagswahlen 1969 regiert eine sozial-liberale Koalition unter Willy Brandt (SPD) und es kommt einer völlig neuen Ostpolitik der Bundesrepublik als deren Folge unter anderem die gegenseitige Anerkennung der beiden deutschen Staaten und ihre Aufnahme in die UNO stehen (1973). 1969 hält außerdem die erste bemannte Mondlandung die Weltöffentlichkeit in Atem. Die Olympischen Sommerspiele 1972 in München werden von dem tödlichen Anschlag palästinensischer Terroristen auf die israelische Olympiamannschaft überschattet. 1974 tritt Willy Brandt we-gen der Guillaume-Affäre zurück und Helmut Schmidt (SPD) wird Bundeskanzler. 1975 beginnt in Stammheim der Prozess gegen die Mitglieder der Baader-Meinhoff-Bande, der durch den Selbstmord der Hauptangeklagten zu einer weiteren Radikalisierung des Terrors und dem Aufstieg der RAF führen wird. Das Jahr 1976 sieht mit 1,351 Mio. Arbeitslosen (5,9%) die höchste Arbeitslosen-zahl seit 1959 und im Anschluss an die Bundestagswahlen die Fortführung der sozial-liberalen Koalition.
Auf Landesebene ist die SPD seit 1966 in einer Koalition mit der CDU unter Ministerpräsident Georg Filbinger. Bei den Landtagswahlen 1968 verliert die SPD 8,3% und die rechtsradikale NPD Trotz eines anders lautenden Parteibeschlusses setzt die SPD die Große Koalition fort, da sich die FDP weigert, die Opposition zu verlassen und eine CDU-Minderheitsregierung oder eine Koalition aus CDU und NPD ausgeschlossen sind. Dies führt zu großen innerparteilichen Unruhen, teils verbunden mit Parteiaustritten, und verändert das Bild der SPD im Land entscheidend. Bildungs- und Hochschulpolitik, sowie die 1972/73 umgesetzte Kreisverwaltungsreform sind die entscheidenden landespolitischen Themen der Zeit. Nach den Landtagswahlen 1972 scheidet die SPD aus der Landesregierung aus.
Zwei große Themen bestimmen die 1970er Jahre in Nehren. Auf Anregung des SPD-Ortsvereins Nehren beschließt der Schulverband auf einer Verbandssitzung im Juli 1972 die Wiederaufnahme seiner Tätigkeit, um den Bau eines Bildungszentrums auf dem Höhnisch voranzutreiben. Eine Möglichkeit der Realisierung wäre, die Grundschulen am Altstandort zu belassen, die Klassen 5 bis10 (mit der von der SPD geforderten integrierten Orientierungsstufe) auf dem Höhnisch anzusiedeln und die Oberstufe weiterhin in Mössingen zu unterrichten. Da jedoch mit einem Rückgang der Schülerzahlen zu rechnen ist, muss zunächst entschieden werden, ob ein eigenes Bildungszentrum rentabel ist.
Das zweite Thema ist der heiß diskutierte Gemeindeverwaltungsverband. Es besteht die Möglichkeit, entweder des Zusammenschlusses von Nehren und Dußlingen an Mössingen oder ein Ver-band der Gemeinden Dußlingen, Gomaringen und Nehren (DuGoNe). Die Bürgerinitiative Nehren plädiert für die Mössinger Lösung, und auch die Nehrener Bürger stimmen in einer Bürgeranhörung am 20. Januar 1974 mit 86% hierfür. Trotz der eindeutigen Meinung der Bevölkerung wird in der darauffolgenden Gemeinderatssitzung am 21. Januar 1974 die Mössinger Lösung mit einem Abstimmungsverhältnis von 6:4 nicht einstimmig angenommen.
Auch auf der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins Nehren im Februar 1974 wird festgestellt, dass am Gemeindeverwaltungsverband DuGoNe nichts zu ändern sei.
Auf dieser Jahreshauptversammlung wird Walter Schneider zum Vorsitzenden des mittlerweile 24 Mitglieder zählenden Ortsvereines gewählt, Udo Weiss wird stellvertretender Vorsitzender und Kassierer.
Jakob Fauser, bereits 1972 zum Ehrenvorsitzenden ernannt, erhält 1976 eine Ehrung durch MdL Roland Hahn für seine 50-jährige Parteizugehörigkeit.
Anja und Torsten Kilian

Die achte Dekade von 1977 bis 1986

Das Jahr 1977 wird von Entführungen und Ermordungen geprägt. Im April wird der Generalbundesanwalt Siegfried Buback zusammen mit seinem Fahrer erschossen. Im September verschleppen Terroristen in Köln den Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyer um elf Bader-Meinhof-Häftlinge freizupressen. Schwere Zeiten damals für Bundeskanzler Helmut Schmidt. Hans-Martin Schleyer wird 44 Tage nach seiner Entführung in Mühlhausen (Frankreich) ermordet aufgefunden.
Im Januar 1978 läuft der letzte in Deutschland gefertigte VW-Käfer in Emden vom Band. Im Februar wählen die Jusos den 33 jährigen Rechtsanwalt Gerhard Schröder aus Hannover zum neuen Vorsitzenden..
Carlo Schmid, einer der großen Männer der SPD, stirbt im Dezember im Alter von 83 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Stadtfriedhof in Tübingen. Carlo Schmid war ab 1945 Professor in Tübingen. Von 1947 - 1950 war er Justizminister von Württemberg- Hohenzollern. Er war maßgebend an der Erarbeitung des Grundgesetzes der Bundesrepublik beteiligt.
Im Januar 1981 wählt das Berliner Abgeordnetenhaus Hans-Jochen Vogel zum neuen Regierenden Bürgermeister von Berlin. Helmut Schmidt verknüpft im Mai sein politisches Schicksal mit der Zustimmung zum Nato-Doppelbeschluss. Im September 1982 treten die vier FDP - Minister aus dem Kabinett Schmidt aus und am 1.10. 82 kommt es zu einem konstruktiven Misstrauensvotum. Helmut Schmidt wird gestürzt und Helmut Kohl wird sein Nachfolger.
September 1983: Eine Blockade des US-Depots in Mutlangen durch prominente Rüstungsgegner bildet den Auftakt zu Protesten gegen die Stationierung der Pershing-II-Raketen in der Bundesrepublik. Im Oktober Höhepunkt einer „Aktionswoche“ der Friedensbewegung gegen die Nato-Nachrüstung. Eine 108 km lange „Menschenkette“ zwischen Neu – Ulm und Stuttgart. An dieser Aktion nahmen auch Genossen/in unseres Ortsvereines teil.
Im Mai 1984 wird Richard von Weizsäcker Bundespräsident.

Im Sommer 1981 hat der SPD-Ortsverein mit den Sommerfesten auf „Schwanholz“ angefangen und viele Jahre fortgeführt. Es war schon beschwerlich dort oben, das Wasser, Stromaggregate......einfach alles musste hochgeschafft werden. Aber die Sommerfeste auf „Schwanholz“ waren immer gut besucht und es war einfach schön und romantisch dort oben. Später wurden dann die Sommerfeste im Schulhof weitergeführt. Da war einfach alles vorhanden.
Anläßlich eines solchen Sommerfestes auf „Schwanholz“ wird unser Ehrenvorstand Jakob Fauser vom damaligen Ortsvereinsvorsitzenden Otto Sauer mit einem Strauß roter Nelken für 60 jährige Mitgliedschaft in der SPD geehrt. Mit dabei war unsere Bundes-tagsabgeordnete Herta Däubler-Gmelin. Jakob Fauser verkörperte ein ganzes Stück sozialdemokratische Historie und Zeitgeschichte. Von 1948 – 1960 war er Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Nehren.
Bei den Gemeinderatswahlen in dieser Dekade hat die SPD mit ihrer Liste immer gut abgeschnitten. Zu dieser Zeit hatte sie 3 Sitze von 12.
Bei den Landtags- und Bundestagswahlen lag die SPD in Nehren immer mit großer Mehrheit vorne als SPD-Hochburg im Kreis Tübingen.

Im März 1985 wird Michail Gorbatschow neuer Generalsekretär der KPdSU. Die SPD nominiert im September Johannes Rau, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, zum Kanzlerkandidaten.
Januar 1986: Kurz nach dem Start explodiert die amerikanische Raumfähre „Challenger“. Alle sieben Besatzungsmitglieder, darunter zwei Frauen, kommen bei der schwersten Katastrophe der bemannten Raumfahrt ums Leben.
Im März wird der schwedische Ministerpräsident Olof Palme ermordet.
Im April schmilzt in einem Kernkraftwerk in Tschernobyl nördlich von Kiew der Reaktorkern und verursacht die bisher größte Katastrophe in der Geschichte der Kernenergie, mit großen politischen Folgen.
Sigrid und Otto Sauer

Die neunte Dekade von 1987 bis 1996

Diese Dekade beschreibt ein außerordentlich ereignisreiches und turbulentes Jahrzehnt, sowohl bundes- als auch kommunalpolitisch.

Aus der Bundestagswahl 1987 geht unter Verlusten der großen Parteien und Gewinnen für FDP und Grüne die Koalition von CDU/CSU und FDP erneut als Sieger hervor. Die SPD bleibt Oppositionspartei.

Willy Brandt tritt wegen innerparteilichen Unstimmigkeiten bei der Stellenbesetzung des Parteisprechers als Parteivorsitzender zurück. Sein Nachfolger wird Hans-Jochen Vogel.

Bei den Landtagswahlen 1988 in Baden-Württemberg erreicht die CDU nochmals die absolute Mehrheit. (CDU 49 %, SPD 32 %, FDP/DVP 5,9 %, Die Grünen 7,9 %, Sonstige 5,1 %)

1989 fällt in Berlin die Mauer und mit ihr die DDR. „Wir sind das Volk“ ist vielleicht der prägnanteste Slogan dieses wichtigsten Herbstes Deutschlands. Der zunehmende Protest der DDR-Bürger ist durch die Staatsorgane nicht mehr kontrollierbar. Bereits im Sommer kam es zur Massenflucht von DDR-Bürgern über Ungarn und die CSSR. Die deutsche Botschaft in Prag wird der dichtest besiedelte Platz der Erde. Außenminister Genscher erreicht für die Flüchtlinge die Ausreiseerlaubnis in den Westen. Honecker verliert die Unterstützung in den eigenen Reihen und wird am 18.10.1989 von der SED abgesetzt. Sein Nachfolger wird Egon Krenz. Nach einer Pressekonferenz von Politbüromitglied Schabowski in der die Reisefreiheit von DDR-Bürgern ohne Visumszwang erklärt wird, kommt es an den Grenzübergängen zum Ansturm der Massen. Die deutsch-deutsche Grenze ist Vergangenheit. Ein Besuch von Bundeskanzler Kohl bei Gorbatschow bringt im Februar 1990 die Zustimmung des UDSSR zur deutschen Einheit. Am 3.10.1990 treten die neuen DDR-Länder der BRD bei. Die DDR hat aufgehört zu existieren. „Wer zu spät kommt den bestraft das Leben.“ Bei der Bundestagswahl am 2.12.1990 wird die Koalition aus CDU/CSU und FDP von den Wählern bestätigt.

In Baden-Württemberg muss Ministerpräsident Späth 1991 nach der so genannten „Traumschiff-Affäre“ seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger wird Erwin Teufel.

Bei der Landtagswahl 1992 verliert die CDU die absolute Mehrheit und muss koalieren. Es kommt zur großen Koalition von SPD und CDU, Dieter Spöri (SPD) wird Wirtschaftsminister und stellv. Ministerpräsident.

Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP kann sich bei der Bundestagswahl 1994 mühsam behaupten.

Die SPD wählt 1994 ihren Parteivorsitzenden zum ersten Mal in Urwahl. Gewählt wird Rudolf Scharping.
Am 16.11.1995 wählt die SPD ihren Parteivorsitzenden Scharping zugunsten von Lafontaine ab.

Bei den Landtagswahlen 1996 erzielt die SPD ihr bisher schlechtestes Ergebnis. Die CDU bleibt weiterhin auf einen Koalitionspartner angewiesen und koaliert mit der FDP.

Nehren
Eine Provokation für die Linken im oberen Steinlachtal !
Der Jahresbeginn 1987 wird in Nehren mit einem bestimmten Namen verbunden Franz Josef Strauß. Der Besuch des bayrischen Ministerpräsidenten ausgerechnet im „Roten Nehren“ löste in unserem kleinen beschaulichen Ort eine noch nie da gewesene Unruhe aus. Polizeistreifen, kreisende Hubschrauber, zahlreiche Zeitungsartikel, beschmierte Häuser und nicht zuletzt Fernsehbei-träge bestimmten das Dorfgeschehen. Eine Unterschriftenliste mit rund 250 Unterschriften der Bürgerinnen und Bürger die sich von der Person Strauß und dessen Politik öffentlich distanzierten erschien im Schwäbischen Tagblatt.

1986 wird Nehren 900 Jahre alt und feiert gebührend.

Seit der Gemeinderatswahl 1989 ist die SPD mit 4 Sitzen im Gremium vertreten. Erstmals bestimmt mit Ursel Tausch eine SPD-Frau die Kommunalpolitik mit.

1990 kann unter anderem aufgrund starker Proteste der Nehrener Bevölkerung das Vorhaben der Firma Reinger zur Errichtung einer Umladestation für Industriesondermüll in Nehren verhindert werden.

1991 übergibt der bisherige Vorsitzender des SPD Ortsvereins Otto Sauer sein Amt an Hans Schell.
Bei der Gemeinderatswahl 1994 kommt die SPD erneut auf 4 Sitze.

Nach den Gemeinderatswahlen 1994 kann die Stellvertreterfrage des Bürgermeisters nicht einvernehmlich geklärt werden. Die Fronten zwischen den Gruppierungen verhärten sich zunehmend. Hinzu kommt, dass die kooperative Zusammenarbeit zwischen SPD, FWV und AL (Gestaltungsmehrheit) zu immer heftigeren Differenzen mit der CDU/Bürgerlichen Liste führt. Eine Folge dieser sehr persönlich geführten Auseinandersetzungen ist, dass sich Bürgermeister Wolfgang Ettwein für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stellt. Am 12.2.1995 wird Werner Landenberger für 8 Jahre zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Nehren gewählt.

Ebenfalls 1995 wird vom Landratsamt Tübingen nach einer 10-jährigen Auseinandersetzung zwischen Gegnern und Befürwortern das Nehrener Kirschenfeld zum Landschaftsschutzgebiet aus-gewiesen. Für und Wider prallten hart aufeinander. Der SPD-Ortsverein unterstützt den Antrag des Nehrener Vogelschutzbundes. In einer von der SPD initiierten Unterschriftenaktion sprechen sich über 80 % der Nehrener Bevölkerung ebenfalls für ein Landschaftsschutzgebiet „Kirschenfeld“.
Tanja Schmidt

Die 10. Dekade von 1997 bis 2007….und Schluss

Am 17.03.2007 feiert der SPD-Ortsverein Nehren sein 100-jähriges Jubiläum.

In den letzten Wochen und Monaten versuchten die Mitglieder des Ortsvereins Nehren zurückzublicken auf die Geschichte der Deutschen Sozialdemokratie im Allgemeinen und die Entstehung und Entwicklung der SPD in der Gemeinde Nehren im Besonderen.
Zusammengefasst in 10 Zeitspannen begann die Serie unseres Rückblicks im Jahre 1907 und endet mit dem heutigen Artikel im noch jungen Jahr 2007.

1997
Im Nehrener „Flecken“ geht es voran.
Durch die kooperative Zusammenarbeit im Gemeinderat zwischen der SPD, der Freien Wähler-Vereinigung und der Grün Alternativen Liste werden wichtige Projekte auf den Weg gebracht.
Ein Gemeinschaftshaus für die Bürgerinnen und Bürger soll in der Hauptstraße entstehen. Die Schule braucht ein Schulsportgelände und die Gemeinde kann für bauwillige Interessenten keine Bauplätze mehr anbieten.
Das Baugebiet Südwest-Ehrenberg (1. Bauabschnitt) geht in die Planung und auch das frühere DSI-Gelände soll mit Wohnungen für junge Familien bebaut werden.
Auch beim SPD-Ortsverein gibt es Grund zur Freude. Am 12. Oktober 1997 können die Nehrener „Genossen“ auf ihr 90-jähriges Bestehen zurückblicken.

1998
Die Bundestagswahl wirft ihre Schatten voraus. Wie immer wenn es um die Macht im Lande geht, wird der Einsatz an der Parteibasis ganz besonders eingefordert. Doch dieses Mal geht es um mehr. Nach 16 Jahren Opposition im Bund und nach 16 Jahren Helmut Kohl will die SPD mit aller Macht den Wechsel. Gerhard Schröder soll es richten.
Am 27. September ist es soweit. Zusammen mit den Stimmen der Grünen reicht es die Regierung Kohl abzulösen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wird Deutschland von einer Rot-Grünen Regierung geführt. Gerhard Schröder ist Kanzler, Joschka Fischer wird Außen-Minister.
Das „Rote Nehren“ hat auch bei dieser Wahl wieder einmal mit einem traditionell guten Ergebnis zum Gesamterfolg beigetragen.

1999
Bundestagswahlen und Kommunalwahlen sind „Zwei paar Stiefel“, deshalb gilt es für die Verantwortlichen des SPD-Ortsvereins bis zur anstehenden Gemeinderatswahl Frauen und Männer zu finden, die sich im Dorf engagieren und bekannt sind. Und es gilt ein Wahlprogramm zu erstellen, das die Gemeinde Nehren voranbringt.
Nach der Kommunalwahl ist die SPD-Liste wieder mit 4 Sitzen im Gemeinderat vertreten.

2001
Am 11. September 2001 erschüttern die Terroranschläge auf das World-Trade-Center und das Pentagon in den Vereinigten Staaten von Amerika die ganze Welt. Die Bekämpfung des internationalen Terrorismus und die ständigen Provokationen von Sadam Hussein führen letztendlich zum Krieg zwischen den USA und dem Irak.
Die Rot-Grüne Regierung verweigert George Bush die militärische Gefolgschaft und hält eine kriegerische Auseinandersetzung mit dem Irak für falsch.
In diesem Zusammenhang zieht Herta Däubler-Gmelin bei einer öffentlichen Veranstaltung einen Vergleich, der zu Missverständnissen führt, und muss daraufhin als Justizministerin zurücktreten.
Auch der Nehrener Gemeinderat sieht sich plötzlich und unerwartet mit der dunkelsten Seite deutscher Geschichte konfrontiert. Straßennamen sind festzulegen für das Neubaugebiet Südwest-Ehrenberg. Die Straßen sollen nach Personen benannt werden, die in Nehren gelebt haben und bekannt sind. Als die lokale Presse recherchiert, dass die vorgeschlagenen Personen in ihren Biographien Nazi-Vergangenheiten aufzeigen, steht der Gemeinderat vor einer schwierigen Entscheidung. Die Position der SPD ist jedoch eindeutig: „Niemand möchte die vorgeschlagenen Personen verurteilen. Als Namenspatrone eignen sie sich jedoch nicht“.
Im SPD-Ortsverein gibt Hans Schell nach 10 Jahren den Vorsitz weiter an Hans Rebmann.

2002
Am 22. September 2002 gewinnt Rot-Grün erneut die Bundestagswahl. Der Bayer Stoiber ruft sich als Herausforderer von Gerhard Schröder noch vor Mitternacht zum vermeintlichen Wahlsieger aus. Zu früh wie sich anschließend zeigen sollte. Noch in der Nacht wendet sich das Blatt: Gerhard Schröder bleibt Kanzler.

2003
Bürgermeister Werner Landenberger stellt sich am 3. Februar 2003 erneut dem Votum der Nehrener Wählerschaft und gewinnt die Wahl überzeugend. Durch die Neubaugebiete Südwest-Ehrenberg, „Brühlhof“ und das frühere Dölker Areal wächst die Gemeinde schneller als erwartet.
Ein neuer Kindergarten muss gebaut werden. Die Schule wird zu klein.
Die Bebauung freiwerdender Grundstücke im alten Ortskern führt zum Nachdenken über den Schutz unserer historischen Bausubstanz.

2004
Die Gemeinderatswahlen 2004 bringen wesentliche Veränderungen.
Das Ausscheiden altgedienter Gemeinderäte und der damit verbundene Abbau überholter Denkmuster zum einen und der eingeleitete Generationenwechsel zum anderen verbessern das Klima im Gremium wesentlich. Aber auch das Bemühen aller Beteiligten zurückzukehren zu mehr Sachlichkeit ist erkennbar. Nicht immer gelingt es uneingeschränkt.

2005
Nach mehrfach verlorenen Landtagswahlen zuletzt in Nordrhein-Westfalen ziehen Gerhard Schröder und Franz Müntefering die Reißleine und kündigen Neuwahlen im Bund an. Trotz eines fulminanten Wahlkampfes, vor allem von Gerhard Schröder, versagen die Wählerinnen und Wähler der Rot-Grünen Regierung dieses Mal das Vertrauen. Rot-Grün ist Geschichte.
Die erste Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland heißt Angela Merkel. Sie führt zusammen mit Franz Müntefering eine Große Koalition in die neue Legislaturperiode.
Nach der vorgezogenen Bundestagswahl kommt die Landtagswahl in Baden-Württemberg viel zu früh. Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit beschert vor allem der SPD verheerende Verluste.
Auch der SPD-Ortsverein muss eine historische Niederlage einstecken. Seit über 50 Jahren verliert die SPD in Nehren zwar nur knapp aber dennoch schmerzlich bei einer Wahl die Mehrheitim Dorf.
100 Jahre Sozialdemokratische Politik in der Bundesrepublik Deutschland im Land Baden-Württemberg, aber vor allem in unserer Gemeinde Nehren, haben wir versucht in den letzten Wochen Revue passieren zu lassen.
Männer wie Ferdinand Lassalle , August Bebel, Kurt Schuhmacher, Fritz Erler, Friedrich Ebert, Carlo Schmidt, Willi Brandt, Helmut Schmidt und viele Andere mehr haben sich den Idealen Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität verschrieben und diese ihrem politischen Handeln zu Grunde gelegt.
Wir sind stolz auf eine große Anzahl von Menschen, die an der politischen Entwicklung unseresLandes maßgeblich mitgewirkt haben.
Auch in unserer unmittelbaren Umgebung haben sich Männer und Frauen um die SPD verdient gemacht. Wer von den älteren Nehrener Mitbürgern und Mitbürgerinnen erinnert sich nicht gerne an die Besuche von Fritz Schäfer und Erwin Geist im Gasthaus Schwanen, oder in jüngerer Zeitan Gespräche und politische Veranstaltungen mit Herta Däubler-Gmelin. In der Gemeinde Nehren denken wir im Zusammenhang mit der SPD an den Oberlehrer Georg Stalder, an Jakob Fauser, an Eugen Eissler oder an Otto Sauer. Ihnen allen gehört unsere Anerkennung.

Am 17.03.2007 wollen wir feiern, feiern auch zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde Nehren.
Mit Stolz blicken wir auf die Geschichte der Deutschen Sozialdemokratie zurück.
Für die Zukunft bleibt uns
Freiheit, Soziale Gerechtigkeit und Solidarität
mit den Schwächeren in unserer Gesellschaft
eine unverrückbare Verpflichtung.
Hans-Jürgen Müller