Das Jubiläum: 100 Jahre SPD in Nehren

Das rote Nehren (GEA-Vorbericht zum Jubiläum)

NEHREN. Wie sich das Wort »Feind« steigern lässt? Feind, Todfeind, Parteifreund. Zu diesem verbreiteten Kalauer will nicht so recht passen, was der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Nehren, Hans Schell, über seine Truppe sagt: »Da haben sich welche gefunden, die sich gut verstehen.« Die, wie Schell sagt, rührig sind und fortsetzen können, was historisch gewachsen ist: das rote Nehren.

Manches hat sich relativiert, wenn am Samstag der 100. Geburtstag des Ortsvereins gefeiert wird. Die Zeiten, in denen die SPD in Nehren bei Bundestagswahlen locker über 50 Prozent kam, sind ebenso Geschichte wie die Landtagswahl 1960, als nach der Auszählung bei SPD das Ergebnis »62,8 Prozent« stand. Bei der Bundestagswahl im September 2005 kam die SPD gerade noch auf 37,4 Prozent - und war doch weit vor der mit 30,6 Prozent abgeschlagenen CDU. Höchstens Hagelloch kann mit der Steinlachgemeinde noch mithalten. Sonst ist im Kreis Tübingen Nehren die rote Spitze.

Dabei hatten die Nehrener lang gebraucht bis zu einem Ortsverein. 1895, nur vier Jahre nach dem Ende der Bismarckschen Sozialistengesetze, war unter den Dörfern der Umgebung Bodelshausen das erste mit einer eigenen SPD. Dußlingen folgte 1896, Nehren wartete noch elf Jahre. 1907 bekam das Arbeiterdorf zwischen Mössingen und Reutlingen ein neues Schulhaus, einen neuen Bürgermeister und einen SPD-Ortsverein.

Höhen und Tiefen

In den zwanziger Jahren blühte das politische Leben auf. Ein Arbeiterturnverein entstand, der den Sportplatz an der Steinlach anlegte, zu dessen Einweihung 1921 etwa tausend Besucher kamen. Ein alter Nehrener erzählte von der Zeit der Weltwirtschaftskrise: »Geholfen hat mir damals auch der Zusammenhalt in der SPD. Im Schwanen-Nebenzimmer haben wir uns regelmäßig zum Singen getroffen.« Eine politische Kultur, die wenig später zerschlagen wurde. Acht Nehrener, die sich am Mössinger Streik gegen Hitlers Machtübernahme beteiligt hatten, wurden vor Gericht gestellt. Den Ortsvereinsvorsitzenden, den Lehrer Stadler, verschleppten die Nazis auf den Heuberg, wo er starb.

Nach dem Krieg erlebte die SPD ihre Höhenflüge, nicht zuletzt dank herausragender Köpfe wie dem 1989 gestorbenen Jakob Fauser. »Das war jemand in Nehren«, erinnert sich Otto Sauer, der selbst zwölf Jahre an der Spitze des Ortsvereins stand und jetzt Ehrenvorsitzender ist. Heute steht Hans Rebmann an der Spitze mit seinen Stellvertretern Ursula Tausch und Hans Schell. Gemessen an der Einwohnerzahl liegt die Nehrener SPD mit derzeit 28 Mitgliedern im Durchschnitt. Die Zahl ist ziemlich konstant, Ein- und Austritte halten sich die Waage. (pp)

100 Jahre SPD Nehren
Seine Jubiläumsfeier zum 100. Geburtstag veranstaltet der SPD-Ortsverein Nehren am Samstag, 17. März, in der Turn- und Festhalle. Beginn ist um 19 Uhr. Den Festvortrag mit dem Titel »Die andere Globalisierung« hält Walter Riester, ehemaliger Bundesminister für Arbeit und Soziales. Außerdem gibt es eine Gesprächsrunde mit der Bundestagsabgeordneten Herta Däubler-Gmelin, Bürgermeister Werner Landenberger, dem SPD-Kreisvorsitzenden Martin Rosemann und der Landtagsabgeordneten Rita Haller-Haid als Moderatorin. Das Rahmenprogramm bietet Musik und politisches Jonglieren. (p)

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